Wien, 05. September 2003 - Seit mehreren Jahren warnen Experten und Praktiker gleichermaßen vor einem Pflegenotstand, hervorgerufen durch die wachsende Zahl an Pflegebedürftigen und gleichzeitig sinkende Mitarbeiterzahlen.

Ist der Missstand im Geriatriezentrum Wienerwald, wie er nun aufgedeckt worden ist, die logische Konsequenz? Wohl nicht, denn noch immer bleiben Führungskräfte wie MitarbeiterInnen für das verantwortlich, was sie tun. Sie werden auch die Konsequenzen übernehmen müssen.

Wohl ohne Konsequenz wird der mahnende Ruf von Experten und Praktikern bleiben, endlich ausreichend Ressourcen für die Altenpflege zur Verfügung zu stellen, sei es in Infrastruktur oder MitarbeiterInnen. Ohne Konsequenz auch bei jenen, die für das Verschleppen des Problems verantwortlich sind.
Wir fordern seit Jahren ein Wiener Heimgesetz, bis dato vergeblich. Es hätte im aktuellen Fall – wohll langfristig - bessere bauliche Standards bedeutet. Die Zahl der MitarbeiterInnen im Pflege- wie ärztlichen Bereich ist mit wenigen Heimen in Österreich vergleichbar. Da hätte das neue Gesetz auch nichts geändert.

Doch eines scheint auch deutlich geworden zu sein: MitarbeiterInnen bewegen sich hart an der Grenze des Leistbaren. Aufgrund des Personalmangels – Schätzungen gehen in Wien von rund 1000 fehlenden Pflegefachkräften in Krankenhäusern, mobilen und stationären Einrichtungen aus – wird die Belastung noch weiter steigen! Auch wenn, dem Modell der oberösterreichischen ALIS (Altenheim-Implacementstiftung) folgend, derzeit weit über 300 Wiener MitarbeiterInnen in oder kurz vor der Ausbildung zu Pflegehelfern oder dipl. Fachkräften stehen, es ist vielleicht schon sehr spät!
Und immer unverständlicher werden, wie auch jetzt wieder in den aktuellen Landtagswahlkämpfen deutlich geworden, die zahlreichen Versprechen, dass sich hier endlich die Dinge zum Besseren ändern werden. Mitnichten, wir glauben es (fast) nicht mehr.
In welcher Gesellschaft leben wir, dass die Wertschätzung für die Pflegebedürftigen sowohl in persönlicher – die betroffenen MitarbeiterInnen meinend - wie kollektiver Betrachtungsweise so dramatisch abgenommen hat? Und wie ist es begründbar und vor allem verantwortbar, dass zahlreiche und jahrelang schon vorgebrachte Reformvorschläge einfach versanden?

Lebenswelt Heim, der Dachverband Österreichischer HeimleiterInnen, fordert seit Jahren die Priorisierung der Altenpflege. Dies inkludiert politische Maßnahmen um Image und Arbeitsbedingungen der Pflege- und Betreuungsberufe zu verbessern sowie durch eine Reform des Ausbildungssystems neue MitarbeiterInnen zu gewinnen.

Und letztlich steht wohl auch die Frage dahinter, welches An-Sehen das Alter und die Pflegebedürftigkeit in unserer Gesellschaft genießen. Wir fordern und forcieren mit unserer aktuellen Kampagne „In Würde altern“ (www.lebensweltheim.at) eine Diskussion dieser Werte-Frage, denn damit wäre dem aktuellen Skandal von vorne herein die Basis entzogen.

Mag. Johannes Wallner
Präsident

Kontakt: 01/585 15 90 www.lebensweltheim.at

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